Der Druck ist hoch, überall das blaue Logo und überall der Versuch einem vorzumachen, dass es mit Facebook einfacher im Leben wäre. Und? Habe das Offline Experiment erfolgreich bestanden, bin lange vor dem Börsengang aus dem Verein ausgetreten und habe es bis heute nie vermisst. Schreibe, Kommuniziere und Netzwerke wie es so schön auf neudeutsch heißt, aber alles ohne Facebook. Facebook und Börse hat mir denn den Rest gegeben. Wir müssen doch nicht alle Latten am Zaun haben, wenn wir ein Unternehmen, dass nichts produziert und bei dem der Kunde selbst die Ware ist, ja ihr alle seit die Ware bei Facebook für die Werbeindustrie, so hoch bewertet wird. FB macht die Welt nicht besser, schlauer oder kommunikativer sondern es dient nur einem Zweck, den Nutzer und sein Privatleben auszuspähen, um es dann gewinnbringend zu verkaufen. Macht was ihr wollt es ist euer Leben aber bitte ohne mich. Wenn ich noch in diesem System eine Entscheidung habe, dann ist es der Konsumverzicht und eben nicht bei FB zu sein. Während ihr also damit beschäftigt seit “always” on zu sein, bin ich lieber öfter offline im Garten, mit dem Hund am Meer oder mache Musik.
Schick mir eure “offline” Bilder ich freue mich drauf!
Der Wind trieb sie zusammen wie Eisschollen auf dem Wasser. Ihre Haare wehten im Wind. Irgendwo bellte heiser ein alter Hund. Sie standen alleine an den Gleisen auf dem kleinen grauen Bahnhof. Die Zeit und der Regen hatten bereits das Namensschild verblassen lassen. Und Gras wucherte zwischen den Gleisen hervor, dass aber bereits durch Kälte und Winter braun geworden war. Ihr Haar lang und blond und das Gesicht war immer noch das eines Kindes. Vielleicht lag es daran, dass ihr Herz nicht gealtert war. Ihr feines Haar umrahmte das kleine Gesicht, während ihr Haarreifen ihre kindliche Unschuld betonte. All dies passte nicht zu ihrem Alter, denn sie hatte bereits die vierzig erreicht. Wie ein Blatt im Wind hatte das Leben zu hin und her gewirbelt, immer auf der Suche nach der Erfüllung, war sie stets gescheitert. Die Kälte ließ ihre kleinen weißen Hände noch blasser aussehen als sonst und die Adern traten noch mehr hervor. Sie war auf der Flucht, ständig war sie auf der Flucht. Doch gleichzeitig hatte sie die Zeit für sich konserviert, denn sie war nie älter geworden, nie richtig erwachsen gefangen in dem Trauma ihrer Kindheit. Der Wind fegte unbarmherzig über den leeren Bahnhof, der wie eine Station im Film Mad Max wirkte. Er schlich sich unter ihren Mantel und kroch in ihre Kleider. Sie war allein und verloren, wie ein Kleinkind in der Stadt, unter dem Arm trug sie ein Buch, die Möwe Jonathan.
Der Zug rollte langsam in den Bahnhof ein, hier und da rafften ein paar Reisende ihr Gepäck zusammen, dort keuchte ein alter Mann unter dem Gewicht seiner Koffer, neben ihr kämpfte eine Frau mit ihrem Klapprad, rot, alt und sperrig. Sie hatte nichts dabei nur das Buch unter dem Arm und ihre Geschichte im Kopf. Warum konnte sie nicht sein wie die Nachbarn, die glückliche Familie nebenan, die Frau im Reihenhaus, das normale Leben. Hatte sie nicht auch ein Recht das Glück in ihren Händen zu tragen und zu sein wie alle anderen. Das Buch so gebraucht aus, der Einband zeigte bereits die weißen Striche, die sich bilden, wenn die Druckerfarbe langsam am Einband abblättert, die Seiten waren leichtgängig vom vielen Lesen. Sie hatte gelesen, reflektiert, interpretiert und gelesen und war nie wirklich hinter das Geheimnis des Buches gekommen. Der Zug war warm, die Luft wie immer stickig und die Menschen redeten belangloses oder dösten während der Fahrt dahin. Der alte Mann war bereits eingeschlafen, sein Koffer blockierte den Sitz neben ihm und drohte dabei jeden Moment sich selbstständig zu machen. Ihre braunen Augen spiegelten sich in der Scheibe des Zuges und eine Träne rollte ihr über die zarte Wange. In diesen Momenten war sie wieder das Kind, klein und in der ersten Klasse, das Kind, das Vorlesen musste, das Kind dem keiner seine Geschichte glaubte, aber war es wirklich eine Geschichte oder die Wahrheit. Es gab Momente da spürte sie den Schmerz gar nicht mehr und dann wieder traf es sie wie ein Hammer. Da waren Dinge, Menschen, Sekunden und alles war plötzlich wieder da. Sie war verletzlich und klein wie ein Kind und dann war sie wieder kalt und klar, wie die Schneekönigin in Andersens Buch, mal hilflos mal stark und dass im Wechsel von Stunden. Manchmal fragte sie sich, war in ihrem Gemüt vorging und manchmal fand sie die Reaktionen völlig normal. Man musste doch nur einfach den Situationen aus dem Weg gehen und alles war normal, den Kindern mit den Kaugummis oder nicht auf die Narbe am Arm schauen. Wenn man nicht daran dachte, dann war alles in Ordnung, dann war man kein Kind sondern die starke Frau, die einfach nur Pech gehabt hatte. Der Zug schwankte und wackelte während sie so ausdruckslos durch die Scheibe schaute.
So ein Erlebnis verwächst nicht im Laufe der Sommer und Winter, es verschwindet nicht wie das Eis im Frühjahr. Es ist mehr wie ein Draht, der um einen Baum gewickelt ist. Es wächst langsam und stetig nach innen. Der Baum wächst drum herum weiter und schließt es langsam und sicher ein, aber es ist noch da. Ab und zu fällt es auf und man kann es sehen. Das alles verlief in Wellen, wie ein Schiff, mal auf und mal ab, je nach Stimmung ihres Herzens. Die Frau neben ihr war in ein Buch vertieft, einen Roman, wann hatte sie das letzte Mal Zeit gehabt in ein Buch zu schauen. Der Alte im Zug strahlte eine Ruhe im Schlaf aus, ja schlafen, das war die einzige Zeit, wo ihr kleines Herz wirklich zur Ruhe kam. Und wenn sie bei den Kindern war, dann fühlte sie sich wirklich wohl. Zwischen all diesen kleinen Menschen, die ihr nicht gefährlich werden konnten. Der Zug ratterte unaufhörlich und ruckelte sie beinahe in den Schlaf. Während sie so durch die Landschaft brauste dachte sie an ihr zuhause. Sie würde heute alleine sein. Der Gedanke war ihr unerträglich. Die Kinder waren bei ihm. Sie konnte nicht alleine sein, denn irgendwie war das wie sterben. Dass es Menschen gab, die gerne alleine in den Urlaub fuhren hatte sie nie begreifen können. Alleine der Gedanke machte ihr Angst, wenn sie dachte, war alles dabei passieren könnte. Der Alte streckte sich als der Zug erneut einen Bahnhof verließ. Die schummerige Beleuchtung im Zug, die schmerzte in ihren Augen. Während sie sich gerade hinsetzte zog sie ihre Jacke fester zusammen. Du bist etwas, sagte sie sich immer wieder, während der Wunsch nach einem normalen Leben sich wieder in ihren Kopf schlich, wie eine Katze auf leisen Sohlen, verführerisch, trügerisch. Der Zug war schmutzig von hunderten von Menschen, die bereits mit ihm unterwegs gewesen waren. Die Türen alt und die Griffe abgegriffen. Auf dem Rückweg. Irgendwo klapperte eine Tür und schlug im Takt mit dem Rattern der Räder in ihren Rahmen. Der Frau neben ihr fielen fast die Augen zu, dabei hielt sie fast krampfhaft das Buch vor ihr Gesicht. Die Möwe Jonathan, sie steckte das Buch in ihre Tasche. Ein Schaffner ging vorbei in seiner schwarzen Uniform mit den Aufnähern der Bahngesellschaft sah er fast wie ein Polizist oder ein Soldat der Marine aus. Seine Haare waren kurz geschoren, sein Ohr zierten zwei Ohrringe. Während er so durch den Gang schlenderte grinste er sie dabei obszön an und kaute Kaugummi. Vor ihren Augen verwandelte er sich in ein Kind, das Kind mit den Kaugummiblasen. Ihr Brustkorb schnürte sich zusammen und es war als würde sich jemand auf ihre Brust setzen. Der Boden schwankte unter ihrem Sitz. Instinktiv schloss sie die Augen, um nicht sehen zu müssen. Alles war wieder da. Die Kur im Kinderheim, die Kindheit, der Geruch von Kaugummi, das Gefühl des ausgeliefert seins. Der Zug hielt an, sie stürzte auf, sie musste heraus. Minuten später stand sie zitternd am Bahnhof in der Kälte irgendwo im weiten Land. Sie hatte sich doch im Griff, ihr Leben war doch normal, oder? In ihren Träumen wünschte sie sich ein Reihenhaus, eine Familie, Geborgenheit und endlich die Chance zur Ruhe zu kommen, zu vergessen zu verdrängen. Nein, nicht verdrängen, ewiges Vergessen.
Der Bahnhof war kalt und irgendwie unheimlich leer, so auf weiter Strecke war sie einfach ausgestiegen. Hatte den Zug verlassen instinktiv aus dem Zwang heraus dieser Situation zu entgehen, wieder das Kind zu sein, die Erinnerungen überwältigten sie. Erinnerungen an die Tat an die Kindheit, die Hilflosigkeit, er war stärker, er kaute immer Kaugummi dabei, er war ja ein paar Jahre älter, er kam jede Nacht. Ein Güterzug brauste vorbei und schüttelte ihren Mantel wie ein Blatt im Wind, ihr war kalt und sie zitterte am ganzen Körper. Sie stand da wie ein Reh, dass auf den Schienen in die Lampe das Zuges schaut und auf den Aufprall wartet. Regungslos, zitternd, einsam, zerbrechlich und doch stark.
It´s a beautiful day… Kopfhörer auf den Ohren tanzte sie alleine auf dem Hof, sie hatte es geschafft, der glücklichste Moment in ihrem Leben, das Examen war beendet, sie hatte bestanden, sie war frei. Erst später erkannte sie, dass sie nie wirklich frei gewesen war, sie hatte sich nur hochgearbeitet in eine höhere Stufe des Hamsterrads, das ein System nährte, dass sie nicht verstand, dass sie nicht erkennen konnte und dass sie täglich kontrollierte. Sie war angepasst, hatte gut funktioniert, hatte auf ihren Ruf geachtet und sich eingefügt in den Rahmen des Seminars, folgte den Anweisungen auf Schritt und Tritt und ertrug die Schmach und Schade der Besprechungen, Berichtigungen und der Kritik. It´s a beautiful day : Sie war frei, genau einen Tag in ihrem Leben spürte sie es, als wäre es der einzige Tag. Schön hatte sie sich gemacht, sie hatte die Anstrengungen durchgestanden, hatte alles hinter sich gebracht. Hatte wie verlangt abgeliefert, hatte es überlebt, alles war zu Ende. Ihre Füße tanzten leicht über die Platten auf dem Hof, zwischen denen schon Gras gewachsen war und die grau und bröselig vom Zahn der Zeit leise unter ihren Füßen stöhnten. Der Fachleiter, ein strenger Herr mit Schnauzbart, dunkelblauer Hose und viel zu engen Hemd hatte ihr gratuliert, ihr Rektor hatte sie gelobt und die Prüfer zeigten sich gnädig und hatten sie durchgelassen. Die Sonne schien, sie war jung glücklich und schwanger. Jetzt hatte sie ihr Examen doch noch in der Tasche. Alles war gut geworden, sie fühlte sich wie eine Prinzessin auf der Reise ins Glück. Ihr Mann verdiente gut, sie zogen in ein großes Mietshaus, ihr Sohn würde es einmal sehr gut haben. Sie hatte es erreicht, war jemand, hatte Erfolg ihr Leben war wunderschön. Sie blinzelte in die Sonne, sang lauthals mit und dann schleuderte sie ihre Tasche in Auto und machte sich auf den Heimweg. Der alte Yaris heulte auf, als die das Gaspedal durchtrat, aber er war immer sehr zuverlässig und passte deshalb gut zu ihr. Die Nächte waren vorbei, die permanenten Unterrichtsvorbereitungen, die Abende am Schreibtisch, die Nächte am Computer, in ihrem kleinen Arbeitszimmer, jetzt wusste sie wofür. Wusste sie das wirklich? Während sie auf der breiten und dichten Verkehrsstraße nach Hause fuhr ließ bereits das Glücksgefühl merklich nach. Die Autos brausten um sie herum und niemand schien von ihr Notiz zu nehmen.
Jeden Tag fahre ich mit Bus und Bahn, was wohl vielen Pendlern so ergeht. Dabei müssen wir Pendler einiges ertragen auf der Fahrt zur Arbeit, so dass die Pendlerpauschale wohl eher Schmerzensgeld heißen muss. Da sind zum einen die Menschen die zwar ein IPhone mit sich rumtragen, aber leider hat das Geld dann wohl nicht mehr fürs Deo gereicht. Was nach einem langen Arbeitstag ja noch verständlich, morgens auf dem Weg zur Arbeit eher ärgerlich ist. Das macht sich dann besonders im Bus beim Bremsen bemerkbar, wenn die Wolke von herben Gestank dann nach vorne durch die Reihen wabbert. Der zweite Spaß sind dann die Fastfood Konsumierer, die den Bus mit dem Geruch von altem Pommesfett erfreuen, wogegen die Wurstbrot und Käsemafia wie Engel wirken. Besonders nett sind dann auch die Bierdosen zum Feierabend im Bus Trinker, die einen auf der eh schon belastenden Fahrt mit ihrem musikalischen Mundfürzen nett unterhalten wollen. All diese Menschen kann ich ja noch ertragen, denn das passiert glücklicherweise nicht täglich und sie scheinen sich der Auswirkungen ihrer individualisierten Handlungen nicht bewusst zu sein. Warte noch auf den Tag an dem jemand kurz vor Ende der Fahrt seinen Trockenrasierer und seine Zahnbürste rausholt und dann vom Morgenmantel in den schwarzen Anzug steigt. Alle dies lässt einen zäh werden im Laufe der vielen Tage mit der Bahn. Wenn ich nur eins nicht mag und mich nie daran gewöhnen kann, dass sind das Kontrolleure und ihre Logik. Als Gott die Logik ausgeteilt hat, haben die sicher gerade ein Nickerchen gemacht oder sich mit den Affen auf dem Baum um die erste Ticketzange gestritten? Hier ein Beispiel messerscharfer umwerfender Logik dieser Berufsgruppe. Ich komme mal wieder gerade noch rechtzeitig am Busbahnhof an und halte deshalb dem Schaffner meine Monatskarte in der Klarsichthülle unaufgefordert vor. Sofort sieht dieser einen Grund den Bus und die anderen Reisenden noch eine Weile warten zu lassen, denn er fordert mich sofort auf, die Karte aus der Klarsichthülle zu reißen. „Haben Sie die da festgeklebt oder weshalb dauert das so lange?“ kommentiert er dabei meine Bemühungen. Ich schaue auf drücke ihm die Karte, nun ohne Klarsichthülle in die Hand und wage zu fragen: „Warum muss ich die denn jetzt herausnehmen?“ und warte etwas neugierig auf seine Antwort. „Weil ich sie abstempeln muss“, brummt er mir entgegen. Dies lasse ich mal über mich ergehen, weil das scheinbar so sein muss. Die anderen Menschen im Bus warten ungeduldig und ich komme mir schon sehr schlecht dabei vor. Genüßlich dreht der die Karte in der Hand und betrachtet sie von allen Seiten, als wäre es ein Fehldruck. „So und jetzt den Ausweis! Den brauche ich auch!“, ertönt er plötzlich gar nicht mehr so freundlich. Ich stutze durchsuche meine Taschen und krame meine Ausweis zu Tage. „Warum dies nun wieder?“ frage ich freundlich und zeige meinen Ausweis bereitwillig. „Weil das eine nichtübertragbare Karte ist!“ kommt es grummelnt. „Ach, sage ich und wenn es eine übertragbare wäre? Die kostet ja das Gleiche, nur das mein Name da nicht draufsteht“, gebe ich etwas verwundert zu bedenken. „Dann hätte ich sie jetzt zu Ihrer Sicherheit eingezogen!“, gibt er mir als logische Auskunft zurück. „Ach und als Besitzer hätte ich mich dann melden können, und sie dann wieder bekommen?“, das erscheint mir dann ja logisch, weil da ja mein Name darauf steht. „Nein, dann hätte ich sie eingezogen und vernichtet“, lautet die super freundliche Antwort. Was lerne ich daraus? Gegen so viel Logik kann ich einfach nicht gegen angehen. Also kaufe ich mir im nächsten Monat eine übertragbare Monatskarte, denn der Preis ist identisch und sollte ich die dann mal verlieren, dann bekommt der Finder wenigstens keinen Ärger, wenn er sie benutzt. Guter Service bedeutet eben alles, so lange es nicht der Vorstellung des Kunden entspricht. Keine Anmerkung zum Schluss: Musste in den 10 Wochen, die ich jetzt Bahn fahre erst 1x meinen Ausweis mit vorlegen, welchen Sinn soll die ganze Aktion denn haben? Selbst mit meiner nichtübertragbaren Karte hätte der Finder noch wochenlang durch die Gegend fahren können. Soviel zur Logik.
Ich sitze, ich lese ich schreibe, ich atme, ich hole Kaffee, ich denke, ich lese, ich reflektiere, ich ändere, ich fange von vorne an, ich rekapituliere, ich vergesse, ich denke ich lese ich schreibe, so geht es den ganzen Tag, wie an einem Fließband nur mit dem Unterschied, dass dies alles in meinem Kopf passiert. Ich habe einen dieser neuen Arbeitsplätze in der Wissensgesellschaft und frage ich gerade, ob dies eine besondere Auszeichnung gegenüber anderen Tätigkeiten ist? Manchmal komme ich mir vor als wenn mein Kopf nur noch denkt, funktioniert, optimiert und reflektiert, aber nichts mehr schönes empfindet, weil er alles nur noch analysiert und nicht mehr den Moment ohne Bewertung oder Reflexion passieren lässt. Ist es dass, was dabei herausgekommen ist wenn man das ökonomische Modell der Gewinnoptimierung auf die Bildung übertragen hat? Kreativität losgelöst von der eigenen Muse ins starre Raster der Exceltabelle eingefügt, die sich jeden Augenblick fragt wie gewinnbringend diese Kreativität für das Unternehmen ist? Wie gewinnbringend ist mein Denken für meinen Arbeitsplatz in diesem Moment. Muss ich Geld zurückzahlen, weil ich gerade einen Blog schreibe und nicht jede Minute reflektiert und analytisch meine Gedanken und mein Wissen dem Unternehmen als Gewinn zur Verfügung stelle? Hinter mir singt ein Vogel auf dem Baum seine Lieder ist das C-Dur oder Cis? Eine Birke oder eine Eiche, eine Buche… Kategorisieren analysieren optimieren, planen, handeln, verwerfen und neu anfangen, reflektieren, …. Break.
Seit 17 Tagen, 3 Stunden 13 Minuten und 45 Sekunden bin ich nicht mehr bei Facebook. Irgendwie habe ich am Anfang ein kleine Leere gespürt und mich deshalb sicherheitshalber mal bei Xing und Google+ angemeldet, aber das war scheinbar nur so ein Reflex. Irgendwie hat das einen sehr großen Vorteil: Ich habe mehr Zeit. Denn Xing ist nur auf die Arbeitszeit beschränkt und Google+ ist irgendwie langweilig. Was mich an Facebook am meisten genervt hat? Die komische Timeline, die ganzen Selbstdarstellungsmacken andere User. Jeder ist toll super, sexy und blöd. Mit Hilfe der Timeline kann man ein tolles Anwenderprofil erstellen, den gläsernen Menschen 2.0! Alles sogar freiwillig und irgendwann kommt dann unbewusste Werbung durchs Unterbewusstsein durch die Hintertür in meinen Kopf. Wer von euch kann schon sagen, dass sein Bewusstsein die Werbung am rechten Rand immer ausblendet? Facebook ist toll nach den Verben “like und hate” gibt es jetzt Adjetive in der neuen Version “I like silly pinheads”. Super! Kommunikation auf das Nötige reduziert. Timeline ist Praktisch, wenn ich wissen will, wer vor 20 Tagen seinen Kinderwagen bei Facebook zum Verkauf angeboten hat, und wer ihn gekauft hat, brauche ich nur zu schauen. Das steht da übrigens noch in 100 Jahren wenn es nach dem Zuckerberg geht, der übrigens alles andere als Zucker ist. Nein, ich bin nicht mehr bei Facebook Online und will es auch überhaupt nicht mehr sein, denn es macht gar keinen Sinn. Wenn ich wissen will, was meine Freude machen, dann greife ich zum Telefon oder schreibe eine E-Mail. Im Gegensatz zu Facebook teilt mir da keiner mit, dass er gerade auf Klo ist. So bleibe ich von Gedankenmüll und Belanglosikeiten verschont und brauche mein Hirn nicht damit zu belasten. Morgen fange ich mit Stricken an. Übermorgen kaufe ich mir ein Pony….
Da kommen Erinnerungen aus der Lehrerbildung mit hoch….
Studienseminar in einer Kleinstadt während des Pädagogikseminars Lehramtsausbildung GHR. “Im Rahmen ihrer Ausbildung fertigen Sie 4 Portfolios zu einem Thema aus dem Themenpool an. Dazu laden Sie sich die Gliederung auf der Web-Seite herunter. Die Portfolios werden zensiert und fließen in ihre Note mit ein.” - Der Gliederung auf der Webseite nach verstand das Seminar unter dem Begriff Portfolio eine Facharbeit von 10-15 Seiten zu einer Unterrichtsmethode, die aus Zeitgründen oder ähnlichem nicht bearbeitet werden konnte. Die Bearbeitung wurde auf die Teilnehmer abgeschoben und unter dem Deckmantel des Portfolios als moderne Innovation verkauft, da man dies als besonders Teilnehmerorientiert ansah. Im Prinzip bestand das Portfolio aus der Auflistung und Beschreibung der Methode, sowie der Beschreibung ihrer Anwendung in einem Unterrichtsbeispiel. Tja auch Pädagogen verstehen den Begriff nicht immer im Sinne des Erfinders.
Portfolio – Essay
Das Für und Wieder beim Einsatz der Portfolio Methode fällt unterschiedlich aus. Es gibt durchaus zustimmende Meinungen bis hin zur direkten Ablehnung. Dies liegt sicher daran, dass so viele unterschiedliche, ich will nicht sagen falsche Auffassungen über den Einsatz dieser Methode. Glaubt man Autoren wie Häcker (2005), dann entstand diese Methode als Alternative zur testbasierten Leistungsbeurteilung in den USA. Lehrende und Lernende sollten mit Hilfe dieses Dokuments ein umfassendes Bild ihrer Kompetenzen und Lernfortschritte bekommen und Lernwege und Ergebnisse zur Reflektion zur Verfügung haben. Dabei kann gerade das Portfolio dazu dienen Lernbedingungen mit einzubeziehen und kontinuierlich zu Entwickeln. Soweit eine gute Idee und ein Schelm, wer böses dabei denkt. Spätestens wenn diese Methode aber im Rahmen von Bewertung und Beurteilung eingesetzt wird, „verkommt“ der durchaus positive Ansatz in meinen Augen. Dabei erinnere ich mich an zwei Studentinnen im Bus, die genervt darüber lamentierten, dass sie noch ein Portfolio für das Seminar zu erstellen hätten, um die erforderlichen Credit Punkte zu erreichen. Auch aus eigener Erfahrung weiß ich, was es bedeutet zu einem Portfolio gezwungen zu sein. Bestand doch während der Ausbildung meine nicht gerade sehr pädagogische Uni-Dozentin, eine ausgebildete Grundschullehrerin darauf, dass wir die Seminarinhalte in Form eines Portfolios aufbereiteten, sie verstand darin eine Inhaltsangabe des Seminar und die Reflektion des Gelernten. Damit hat sie es sich natürlich sehr einfach gemacht. Denn gerade der Lernfortschritt innerhalb des Seminars sollte mit Hilfe des Portfolios am Ende zu einer Note führen. Dies ist meiner Auffassung nach aber ganz und gar nicht im Sinne der Methode und da stimme ich mit Häcker überein, denn dort wird die Verantwortung für den Lernfortschritt innerhalb des Seminars nur an die Lernenden abgegeben, die Lernsituation und die Verantwortung des Lehrenden wird in diesem Fall außer Acht gelassen. Nicht der Lernprozess an sich im Sinne der Veränderung und Anpassung der Lernsituation wird reflektiert, sondern nur das Lernergebnis gemessen. Meiner Auffassung nach ist dies ein falsches Verständnis im Umgang mit Portfolios. Die Lernsituation wird ausgeblendet, ja nicht einmal berücksichtigt, was dazu führt, dass der Lernvorgang innerhalb des Portfolios zur Selbstdarstellung verkümmert. Es verkommt zu einem Instrument der Bewertung und Anpassung hinsichtlich der eigenen Wandlungsfähigkeit und Selbstreflexion. Noch schlimmer: Damit verbunden gerät der Blick vom Ausbau und der Darstellung der eigenen Kompetenzen weg hin zur Betrachtung der Leistungsdefizite. Gerade dieser Einsatz einer eigentlich positiv belegten Methode führt dazu, dass sie zur Reflexion der eigenen Möglichkeiten und des Lernverhaltens nicht eingesetzt wird. Die Reflexion erfolgt dann nur noch, um negative Konsequenzen abzuwehren. Aber gerade im Portfolio sehe ich die Chance Lernsituationen zu verändern und gerade eine offene Diskussion über Leistungen und Kompetenzen anzuregen. Sie sollte nicht die Verantwortung des Lehrenden alleine an die Lernenden abgeben, sondern auch ihm neue Perspektiven für das Seminar eröffnen. Ein gut gemachtes Portfolio kann die Faszination für eine Sache einfangen und die Progression im Lernprozess für Lernende und Lehrende greifbar machen und so Irrwege und Erfolge bewusst aufzeigen. In diesem Sinne wünsche ich mir im Rahmen eines offenen Unterrichts und selbst bestimmten Lernens, das den sinnvollen Einsatz dieser Methode zur freien Selbstbestimmung der Lernenden.
Sitze hier in meinem Büro und denke darüber nach, wie ich effektiv soetwas wie interkulturelle Kommunikation vermitteln kann und scheitere schon am Wesen der Kulturgebundenheit. Wie kann man den Begriff der Kultur als Erklärungsmuster für das Verhalten eines Menschen gebrauchen und gleichzeitig nicht neue Vorurteile und Stereotypen erschaffen? Wenn auf Grund der interkulturellen Entstehung eines jeden “Kulturraums” eine Abgrenzung hinsichtlich des Raumes überhaupt nicht möglich ist, wie kann es dann ein länderspezifisches Training geben, dass behauptet: Japaner haben eine andere Vorstellung des Begriffs Team als Deutsche. Und was ist mit meiner individuellen Vorstellung des Begriffs des Teams, die sich bereits von meiner Kollegin am Nachbar-PC unterscheidet. Alle Rollenspiele im Bereich Kulturerfahrung basieren ebenfalls auf dem Muster: Es treffen die Mullukken mit den Ontukken zusammen, die Mullukken schütteln gerne die Hände zur Begrüßung die Ontukken kratzen sich gegenseitig am Ohr. Toll! Was ist aber wenn ich als Ontukken mir nicht von Fremden am Ohr kratzen lassen will? Außerdem sind wir dann bereits wieder bei dem Vorurteil, dass alle Ontukken das als normal empfinden und so sind. Wenn es also keine Kulturgebundenheit dahingehend gibt, dass jedes Individuum individuell reagiert. Wenn Menschen in interkulturellen Situationen nicht rein kulturgebunden agieren, sondern auch auf Grund ihrer Erwartungshaltung an den Gegenüber sich ebenfalls anpassen, dann ist diese Situation nicht mit Hilfe des Ansatzes der Kulturgebundenheit zufriedenstellend erklärbar. Und welche Kulturgebundenheit besitzt die mit Taschentuch in der Nase popelnde Bahnfahrerin aus dem Essay von wasunsausmacht?
Nun sitze ich in einem neuen Büro mit einem neuen Projekt in Arbeit. Dabei wundere ich mich welche Blüten so die Pädagogik treibt. Diversity Management, work-based-learning, community of learners usw. Mich amüsiert es immer wieder zu sehen, dass sich hinter scheinbar neuen Erkenntnissen und Begriffen immernoch alte Grundlagen und Wahrheiten tummeln. Vieles davon wird sicher als Modeerscheinung irgendwann im Alltag keine Beachtung mehr erfahren und würde man es nicht mit neuen hippen Begriffen hinterlegen könnte man damit wohl keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervorlocken. Aber gerade die Einführung der Fachsprache in der Wissenschaft hat sich bis heute als Mystifizierung für Sachverhalte, und sein sie noch so banal, hartnäckig gehalten. Diversity management eine Erweiterung der Binnendifferenzierung um Gender Aspekte. Klingt doch schon mal nach etwas, oder? Immerhin kann dann keiner so schnell mitreden. Viele tolle “neue” Ideen erwachsen aus diesem Beschäftigungsfeld, um sagen wir es mal mit EU Worten: Der Bürger die Chance bekommt Kompetenzen zu erwerben, um am lebenslangen Lernen zu patizipieren. Das finde ich ersteinmal eine toll Sache, leider ist es immer eine Frage der persönlichen Einstellung zum Lernen und dann natürlich die des Geldes. Ich fände es toll, wenn alle Menschen Zugang zu individueller Bildung erlangen können und durch die Öffnung der Hochschulen viele neue praktische Ideen an die Hochschule gelangen könnten. Deshalb hoffe ich inständig, dass sich hinter den hippen neuen Ideen auch Chancen auf Bildung für benachteiligte Verbergen, die bis jetzt leider keinen Möglichkeit hatten am lebenslangen Lernen teilzuhaben. Vielleicht bin ich da zu optimistisch, aber es wäre schon ein Wunsch oder ein Traum, der allzu menschlich wäre.
Follow me down into the dark! The song is a little present for all of you who like it.
This is a take I´ve done last night!
With my piano, played live, mixed with strings later. It´s all written by myself I hope you enjoy it.
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Thanks and a nice x-mas to everyone.